Die Falle - Selbstverbesserungsprojekt habe ich bereits beschrieben. Hier will ich nochmal genauer auf die innerpsychische Dynamik eingehen, die dabei zum Tragen kommt.
Wenn uns etwas an uns selbst nicht passt, wenn wir etwas anders haben möchten, dann sind wir mit einem Teil identifiziert, der das so sieht. Und er hat auch gute Gründe dafür und eine gute Intention: er will nur das Beste für uns. Er denkt, das könnte er erreichen, indem er diese Selbstverbesserung angeht. Dabei fehlt ihm die Weisheit und Übersicht, dass er dabei andere Teile bekämpfen muss, nämlich die, die mit dem “ungewünschten” Verhalten, der “verbesserungswürdigen” Eigenschaft verbunden sind. Und diese Teile haben auch eine wichtige und gute Intention. Zum Beispiel versuchen sie oft, ein unterdrücktes Bedürfnis doch irgendwie zu erfüllen.
Wenn sich aber zwei Teile innerlich bekämpfen, dann schöpfen sie aus der gleichen Kraftquelle unserer Lebensenergie. Daher kann nie eine Seite einer solchen Polarisierung dauerhaft gewinnen, bzw. je stärker und länger eine Seite dominiert, umso mehr Kraft braucht sie, um die andere im Zaum zu halten. Die andere Seite wird dann ganz unterdrückt, d.h. sie drückt zwar dagegen, aber ohne jemals ins Bewusstsein zu gelangen. Oder sie bricht gelegentlich hervor, woraufhin Der Teil, der es richten will nur umso stärker diesen ungewollten Anteil bekämpfen will. Es gibt noch mehr über Polarisierungen zu sagen, hier wollte ich vor allem erklären, dass beide aus der gleichen Energiequelle schöpfen und daher nie eine Seite gewinnen kann; auch wenn es kurzfristig so aussieht; auch wenn wir uns mit der einen Seite identifizieren oder verbünden.
Unsere Aufgabe ist es also nicht, uns mit einer Seite gegen die andere zu verbünden (was aber häufig vorkommt), sondern, im Sinne des Paradox of Change, beide Seiten mit liebevollem Interesse kennenzulernen und dabei zu erfahren, wie wir ihnen helfen können und einen guten gemeinsamen Weg gestalten können.